Wenn Eltern sich trennen, wirkt sich das negativ auf den Bildungserfolg der Kinder aus. Dies belegen verschiedene Studien – die allerdings auch zeigen, dass dieser Zusammenhang nicht für alle Kinder gleichermaßen gilt. So legen einige Studien nahe, dass Kinder aus sozial privilegierten Familien die geringsten Bildungsnachteil durch eine Trennung erfahren, da diese Familien über mehr ökonomische und kulturelle Ressourcen verfügen, um negativen Auswirkungen abzumildern. Andere Studien deuten hingegen darauf hin, dass Kinder aus privilegierten Familien möglicherweise sogar mehr Nachteile haben, da sie von einem höheren Niveau aus starten, also gewissermaßen mehr zu verlieren haben. Wie kommt es zu diesem vermeintlichen Widerspruch? Bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass die Studien unterschiedliche Bildungsergebnisse betrachten – die einen schauen auf Noten, andere auf Schulabschlüsse oder berufliche Abschlüsse/Studium. Die Ergebnisse sind also nicht ohne Weiteres miteinander vergleichbar.
Erstaunlich wenige Studien gibt es bisher zu den Auswirkungen der elterlichen Trennung auf die Bildung von Kindern mit Migrationshintergrund. Für Kinder aus zugewanderten Familien könnte eine Trennung weniger nachteilig für den Bildungserfolg sein als für Kinder einheimischer Familien, da sie oft generell sozioökonomisch schlechter gestellt sind – auch hier könnte das Argument gelten, dass sie weniger zu verlieren haben. Andererseits könnten die Folgen des Lebens in einem Ein-Eltern-Haushalt häufiger durch die erweiterte Familie und stärkere Unterstützungsnetzwerke abgefedert werden. Die wenigen vorhandenen Forschungsergebnisse sind jedoch uneinheitlich und scheinen davon abzuhängen, um welche Migrationsgruppe es sich handelt. So hat Matthijs Kalmijn für Jugendliche karibischer und afrikanischer Herkunft in England, Deutschland, den Niederlanden und Schweden herausgefunden, dass ihr Wohlbefinden weniger stark durch eine Trennung beeinträchtigt wird als bei einheimischen Jugendlichen. Andere Migrantengruppen sind dagegen ähnlich stark betroffen.
Bisherige Studien haben sich jedoch nur selten mit Elternpaaren beschäftigt, die aus einem einheimischen Elternteil und einem Elternteil mit Migrationshintergrund bestehen. Diese Konstellation, also interethnische Elternpaare, haben wir in unserer Studie im Rahmen des Einstein Center Population Diversity (ECPD) genauer analysiert. Für 13 Länder haben wir untersucht, wie sich die Trennung der Eltern langfristig auf den höchsten erreichten Bildungsabschluss auswirkt. Wir haben zwischen vier Gruppen unterschieden: Kinder von nicht eingewanderten (einheimischen) Eltern, Kinder von zwei eingewanderten Eltern und Kinder aus Familien, in denen nur die Mutter oder nur der Vater eingewandert ist.
Denkbar sind folgend Unterschiede: Kinder aus interethnischen Familien könnten stärker von der Trennung der Eltern betroffen sein, da diese Familien häufiger einen höheren sozioökonomischen Status aufweisen und der Verlust könnte daher größer sein könnte. Diese Familien verfügen außerdem über schwächere soziale Unterstützungsnetze als Familien mit zwei migrantischen Elternteilen. Kinder aus interethnischen Familien könnten aber auch weniger betroffen sein, weil sie weniger stigmatisiert werden, da Scheidungen in diesen Familien häufiger vorkommen. Zudem besteht aufgrund unterschiedlicher Sorgerechtsmuster die Möglichkeit, dass Kinder aus interethnischen Familien nach der Trennung eher bei dem Elternteil ohne Migrationshintergrund leben – was den Verlust von Ressourcen des einen Elternteils im Vergleich zu Kindern mit zwei migrantischen Elternteilen geringer ausfallen lassen könnte.
