Berlin Insight 1 | 2026

Bevölkerungsdiversität und Berliner Herausforderungen

Michaela Kreyenfeld und Lonny Chen

Zentrale Befunde:

  • Wohnen ist mit Abstand die größte Herausforderung: Mehr als 70 Prozent der Befragten bewerten die Wohnsituation in Berlin als sehr problematisch.
  • Die Sorgen ziehen sich durch alle Altersgruppen, Bezirke und gesellschaftlichen Schichten. Einige Gruppen stechen jedoch hervor: Besonders groß sind die Sorgen bei jüngeren Berliner:innen (18-29 Jahre). Hier äußern mehr als 80 Prozent sehr große Sorgen über die Wohnsituation.
  • Auch zwischen den Bezirken zeigen sich deutliche Unterschiede. Besonders auffällig sind Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg, wo besonders viele Befragte die Wohnsituation als sehr großes Problem bezeichnen.
  • In den offenen Antworten werden neben dem Wohnen vor allem der ÖPNV und die städtische Infrastruktur, aber auch Obdachlosigkeit als zentrale Probleme genannt.

Berlin ist eine vielfältige Stadt. Menschen unterschiedlichen Alters, unterschiedlicher Herkunft und mit verschiedenen Familienformen leben hier zusammen. Diese Bevölkerungsdiversität steht im Zentrum der Forschung des Einstein Center Population Diversity (ECPD). Das ECPD ist ein interdisziplinäres Forschungszentrum in Berlin. Es wird von der Einstein Stiftung Berlin, einer Stiftung des Landes Berlin, gefördert. Doch wie erleben diese unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen ihre Stadt? Welche Herausforderungen bewegen die Berliner:innen und unterscheiden sich ihre Sorgen je nach Alter, sozialer Lage, Herkunft oder Wohnort? Die Studie „Die Zukunft Berlins“ geht diesen Fragen nach und zeigt, wo Sorgen die Stadtgesellschaft verbinden und wo sich deutliche Unterschiede zeigen.

Das Thema Wohnen ist derzeit Berlins größte Sorge

Welche Probleme beschäftigen die Berliner:innen in ihrer Stadt besonders? Die Studie „Die Zukunft Berlins“ zeichnet hier ein klares Bild: Die Sorgen sind vielfältig; doch ein Thema sticht deutlich hervor. Wohnen spielt in einer eigenen Liga. 77 Prozent der Befragten bezeichnen die Wohnsituation als sehr großes Problem, weitere 18 Prozent als eher großes Problem (siehe Tabelle 1). Insgesamt sehen damit etwa 95 Prozent der Berliner:innen die Wohnsituation als ernstes Problem. Wer nach einem gesellschaftlichen Konsens in Berlin sucht, findet ihn also beim Wohnen: Weniger als fünf Prozent der Befragten halten die Wohnsituation lediglich für ein kleineres oder gar kein Problem. Kaum ein anderes Thema wird von den Berliner:innen so einhellig als Herausforderung wahrgenommen.

Tabelle 1: Wahrnehmung aktueller Probleme in Berlin (Zeilenprozente)

Anmerkung: Die Frage lautete: Für wie groß halten Sie derzeit die folgenden Probleme in Berlin? Abweichungen von 100 % bei den Zeilenprozenten sind rundungsbedingt.
Quelle: Berlin Survey 2026, Release 2.0 (ungewichtete Ergebnisse).

Doch Berlin hat aus Sicht seiner Bevölkerung nicht nur ein Wohnungsproblem. Etwa die Hälfte der Befragten sieht Schmutz und Dreck in der Stadt als sehr großes Problem, 44 Prozent die gesellschaftliche Spaltung. Es folgen Kriminalität und Gewalt mit 40 Prozent sowie die Qualität von Schulen und Kitas mit 35 Prozent.

In einer offenen Frage hatten die Befragten zudem die Möglichkeit, weitere Probleme und Herausforderungen für Berlin zu benennen (siehe Abbildung 1). Die Antworten zeigen ein breites Spektrum an Themen. Besonders häufig genannt wurden Verkehr und Mobilität, Wohnen, die öffentliche Verwaltung, Sauberkeit und Müll sowie soziale Probleme. Weitere wiederkehrende Themen waren öffentliche Sicherheit, Obdachlosigkeit, die Fahrradinfrastruktur und der Klimawandel. Die Ergebnisse zeigen: Der Handlungsdruck ist breit, doch beim Wohnen ist er besonders groß.

Abbildung 1: Wortwolke aus offenen Antworten zu den Problemen Berlins (weitere Probleme über die in Tabelle 1 aufgeführten hinaus)

Quelle: Berlin Survey 2026, Release 2.0

Unterschiede nach sozialen Gruppen und Bezirke

Zunächst zeigt sich, dass die Sorgen über das Wohnen in allen gesellschaftlichen Gruppen und Regionen Berlins weit verbreitet sind (siehe Abbildung 2). Dennoch gibt es einige auffällige Unterschiede. Personen mit Hochschulabschluss bewerten die Wohnsituation seltener als sehr großes Problem als Personen ohne Hochschulabschluss.

Am stärksten ausgeprägt ist die Problemwahrnehmung in der jüngsten Altersgruppe: 83 Prozent bewerten die Wohnsituation als sehr großes Problem. Darin spiegeln sich möglicherweise unterschiedliche Lebenssituationen wider – etwa die Wohnungssuche nach einem Zuzug für Studium oder Arbeit oder die Schwierigkeiten junger Berliner:innen, angesichts der angespannten Wohnsituation aus dem Elternhaus auszuziehen.

Auch zwischen den Bezirken zeigen sich Unterschiede. Besonders Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg stechen hervor: Hier bezeichnen mehr als 80 Prozent der Befragten die Wohnsituation als sehr großes Problem. Zwischen den übrigen Bezirken bestehen hingegen keine statistisch signifikanten Unterschiede. Für Friedrichshain-Kreuzberg bleibt die besonders negative Einschätzung der Wohnsituation auch dann bestehen, wenn Unterschiede in Bildung, Alter und Staatsangehörigkeit statistisch kontrolliert werden. Das bedeutet, dass die stärkere Problemwahrnehmung nicht allein auf die unterschiedliche Zusammensetzung der Befragten in den Bezirken zurückzuführen ist.

Abbildung 2: Anteil Befragter, die Wohnen als sehr großes Problem wahrnehmen (%)

Quelle: Berlin Survey 2026, Release 2.0 (ungewichtete Ergebnisse)

Fazit

Die Ergebnisse zeigen ein bemerkenswert einheitliches Bild: Über soziale Gruppen, Altersgruppen und Bezirke hinweg wird die Wohnsituation als eine der zentralen Herausforderungen Berlins wahrgenommen. Unterschiede zeigen sich vor allem in der Stärke dieser Wahrnehmung. Besonders kritisch fällt sie bei jüngeren Berliner:innen aus. Zugleich machen die offenen Antworten deutlich, dass die Berliner:innen neben dem Wohnen eine Reihe weiterer Herausforderungen sehen: von Verkehr und städtischer Infrastruktur bis hin zu Obdachlosigkeit. Bevölkerungsdiversität geht damit sowohl mit Unterschieden in der Stärke der Wahrnehmung städtischer Probleme als auch mit bemerkenswerten Gemeinsamkeiten einher.


Über die Befragung

Die Studie „Die Zukunft Berlins“ (Berlin Survey) wird durch das Einstein Center Population Diversity (ECPD) und die Hertie School (Social Policy Group) finanziert, und untersucht, was die Berliner:innen in ihrem Alltag bewegt. Im Mittelpunkt stehen Themen wie Familie, Gesundheit, Bevölkerungsalterung und Diversität. Die Befragung von rund 3.500 Berliner:innen wurde 2026 durchgeführt. Die Teilnahme war sowohl online als auch postalisch möglich. Die hier präsentierten Ergebnisse basieren auf einer 2026 durchgeführten Befragung von rund 3.500 Befragten. Weitere Informationen zur Erhebung, Stichprobe und Datengrundlage finden sich auf dieser Seite.

Über das Einstein Centre Population Diversity (ECPD)

Das ECPD wird von der Einstein Stiftung Berlin gefördert, einer Stiftung des Landes Berlin, deren Ziel es ist, internationale Spitzenforschung in und für Berlin zu fördern.

Über die Autoren

Michaela Kreyenfeld ist Professorin für Soziologie an der Hertie School, Co-Direktorin des Einstein Center Population Diversity (ECPD) und Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW). Kontakt: kreyenfeld@hertie-school.org

Lonny Chen ist Data Scientist und Teil der Berlin Survey Research Group an der Hertie School. Kontakt: l.chen@hertie-school.org


Impressum

Publisher: Einstein Center Population Diversity
Editor: Prof. Dr. Paul Gellert
Technical coordination: Daniela Vono de Vilhena and Tabea Naujoks
Cover image: © Paulrommer / Adobe Stock. Image adapted and colour-adjusted by Doro Spiro.

Contact: Einstein Center Population Diversity | c/o Charité – Universitätsmedizin Berlin; Prof. Dr. Paul Gellert; Institut für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft; Charité – Universitätsmedizin Berlin; Charitéplatz 1; D-10117 Berlin, Germany
Email: ecpd@charite.de
Web: einstein-diversity.com

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